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Keine Pommes an der Piste - viele Kartoffeln werden verfüttert

"Wir wollen nicht jammern!" Es ist Ruedi Fischer im Interview mit Radio neo1 wichtig, das festzuhalten. Mit "Wir", meint er die Schweizer Kartoffelproduzentinnen und -produzenten. Von deren Verband ist er Präsident. Und das Interview handelt von einer weiteren wirtschaftlichen Auswirkung der Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns, auf die man im ersten Augenblick vielleicht nicht kommen würde. Momentan bleiben die Kartoffel verarbeitenden Firmen auf ihren Pommes Frites sitzen. Grund dafür sind die geschlossenen Restaurants.

Somit bringen auch Landwirt*innen die im Jahr 2020 Kartoffeln angebaut haben ihre "Härdöpfu" nicht immer gleich gut in die Verwertung und somit zu den Konsumenten. Hier sei jedoch wichtig zu unterscheiden zwischen den Verschiedenen Märkten, sagt Ruedi Fischer als Präsident der Schwizerischen Kartoffelproduzenten. Der Absatz der Speisekartoffeln sei 2020 - bis heute - eigentlich sehr gut verlaufen. Dies komme der guten Kartoffelernte 2020 entgegen. "Der Konsum von Kartoffelchips stieg während dem ersten Lockdown an. Das merkt man nun nicht mehr so deutlich." Bei den Verarbeitungskartoffeln sehe es jedoch schlechter aus, "da Pommes Frites hauptsächlich in der Gastronomie, in Kantinen oder an Grossanlässen konsumiert würden, wo es in den letzten Monaten nur Absagen und Einschränkungen gab." Deshalb spricht Ruedi Fischer, Landwirt aus Bätterkinden bei den Verarbeitungskartoffeln nun von einem Rückstau.

Ähnliches bestätigt auch Simon Werthmüller, Bereichsleiter Kartoffeln bei der Terralog AG in Rüdtligen-Alchenflüh. "2020 profitierten wir im Packbetrieb; der Direktverkauf lief gut." Starke Einbrüche gab es auch hier bei den Vertriebs-Kanälen Gastronomie und Verarbeitungskartoffeln (Pommes Frites). "Jeder sieht das bei sich selber - beim Auswärts Essen ist die Lust nach Pommes Frites grösser als zu Hause, wo man vielleicht auch keine gute Infrastruktur hat", sagt Simon Werthmüller auf Anfrage von neo1. Die Lager der Terralog AG seien aber momentan nicht komplett überflutetet, da alle Bereiche ausser dem der Pommes Frites-Kartoffeln guten Absatz fänden.

Landwirte verfüttern viele Kartoffeln an ihre Kühe

Auch gemäss Simon Werthmüller landen nach der guten Ernte von 2020 nun viele (Verarbeitungs-)kartoffeln in der Futterverwertung, da die verschiedenen Kartoffelsorten nicht beliebig austauschbar sind. Das heisst, sie werden an Tiere - hauptsächlich an Kühe - verfüttert. "Am liebsten hätte ich natürlich, wenn diese Kartoffeln für Menschen auf die Teller kommen würden", sagt Ruedi Fischer. Doch die Futterverwertung sei sicherlich sinnvoller, als die Kartoffeln aufs Feld zu hacken oder Ähnliches. "Wir können nicht mehr tun, als die Leute immer wieder dazu zu ermuntern, auch zu Hause Pommes Frites zuzubereiten."

Finanzieller Schaden der Landwirt*innen hält sich bis jetzt in Grenzen

Dies empfiehlt auch der Mattstetter Landwirt Michael Schneider mit einem Schmunzeln. Zusammen mit drei anderen Landwirten baut er hauptsächlich Kartoffeln an, die für die Verarbeitung zu Pommes Frites gedacht sind. Durch den Verwertungsfonds, welcher von der Branche seit Jahren durch Rückstellungen der Produzent*innen, aber auch durch die Mithilfe von Handel und Industrie aufgebaut wurde, erleidet er nach dem Coronajahr 2020 keine finanziellen Einbussen. "Wir konnten unsere Vertragsmengen abliefern und sie wurden bezahlt." Momentan sei der Schaden eher emotionaler Art. "Ich erfreue mich normalerweise im Skigebiet daran, wenn die Skifahrer*innen auf der Terrasse die von uns angebauten Pommes geniessen können. Natürlich ist es nicht schön, wenn die Kartoffeln nun stattdessen in den Fütterungskanal umgeleitet werden müssen." Man könne aber froh sein, keine finanzielle Einbussen erleiden zu müssen.

Kürzung des Anbauvertrags für Produzent*innen - Zuckerrüben statt Pommes-Kartoffeln?

Was 2021 für Kartoffelbauern bereit hält, ist noch sehr unsicher. Zwar würden die Anbauverträge gemäss dem Kartoffelproduzenten Michael Schneider stehen. "Hier wird es jedoch sicherlich durch Händler und Verarbeiter noch Änderungen geben. Der Präsident der Schweizerischen Kartoffelproduzenten sagt zur Anbauplanung 2021, dass von den grossen Händlern gegenüber den Landwirt*innen in den nächsten Tagen eine Kürzung des Vertrags um rund 10% kommuniziert werde. Und was rät der Verband den Pommes-Bauern? "Klingt zwar komisch, wenn ich als Präsident der Kartoffelproduzenten das mache, aber ich rufe die betreffenden Landwirt*innen für 2021 auf, Zuckerrüben statt Kartoffeln anzubauen."

Der Langenthaler Kartoffel-Verarbeiter KADI beklagt für das Jahr 2020 einen Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich. 80 Prozente der Kadi-Produkte gehen in die Gastronomie, die Lockdowns waren deshalb besonders schmerzhaft, so Yvonne Richard, Leiterin Marketing und Verkauf Kadi. Wegen Mengenkontrakten konnten die Bezüge bei den Herstellern letztes Jahr nicht gesenkt werden. Das hat nun zur Folge, dass die Lager der Kadi AG in Langenthal gefüllt sind und die Mengenkontrakte mit den Herstellern in diesem Jahr angepasst werden.

Audio 1: Überschuss an Verarbeitungs-Kartoffeln
Audio 2: Kadi AG in Langenthal blickt auf schlechtes 2020 zurück
Audio 3: Was passiert mit dem Kartoffel-Überschuss?
Audio 4: Planung für 2021 sehr schwierig
Audio 5: Wir wollen nicht jammern!
Audio 6: Die ganze Wertschöpfungskette


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