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Die beiden Agrarinitiativen aus der Sicht zweier Bauern

Wie sieht die Schweizer Landwirtschaft in Zukunft aus? Diese Frage steht am 13. Juni zur Debatte. (Bild: Gaetan Bally/key)

Der 13. Juni ist je nach Abstimmungsresultat wegweisend für die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Die beiden Vorlagen der Trinkwasserinitiative und der Pestizidinitiative spalten nicht nur die Stimmbevölkerung, sondern sorgen auch unter den Landwirten selber für hitzige Diskussionen. Wir haben zwei direkt betroffene Landwirte befragt.

Hansjürg Steffen aus Willadingen bewirtschaftet einen 15 Hektarenbetrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau und bezeichnet sich als konventionellen Landwirten mit hohen ökologischen Grundwerten. Er wird am 13. Juni zweimal Nein stimmen. Gerhard Bühler aus Thunstetten bewirtschaftet einen 8 Hektarenbetrieb und betreibt ausschliesslich biologischen Gemüsebau. Er wird am 13. Juni zweimal Ja stimmen.

Für Hansjürg Steffen bedeutet eine Annahme der Initiativen, dass er kaum so weiterbauern könnte wie jetzt. "Vielleicht mit einem Nebenerwerb und noch ein paar Natura-Beef-Kühen", so Steffen wenig begeistert. "Ich verfüttere meinen Kühen Kartoffeln, welche in der Industrie als Abgang übrigbleiben. Dazu kaufe ich Mais-Würfel von meinem Nachbar-Landwirt. Laut Initiativtext wäre dies nicht mehr möglich." Alles Futter müsste hofeigen sein. "Ich frage mich, was dann mit zum Beispiel den Kartoffeln passieren wird. Die kommen vermutlich in eine Biogas-Anlage."

Mit Zuckerrüben und Kartoffeln hat Steffen aktuell zwei Kulturen, welche ohne die Möglichkeit, Fungi-, Herbi-, und Insektizide einsetzen zu können, nur schwierig zu bewirtschaften sind. "Ich bin überhaupt nicht Fan von der Chemiekeule und zögere den Einsatz so lange wie es geht hinaus. Manchmal geht es. Beim aktuell nassen Wetter, komme ich vermutlich bei den Kartoffeln kaum darum herum zu spritzen. Sonst würde ich es mit Striegeln versuchen und das Unkraut so vernichten. Das geht aber nur bei trockenem Boden." Ihm gehe es darum, sich die Einsatzmöglichkeit offen zu halten und nicht darum, immer alles zu Boden zu spritzen.

"Ich habe auch nicht Freude an verschmutztem Trinkwasser und ja, die Landwirtschaft hat ihren Anteil daran. Nur auf die Bauern zu schiessen, ist aber eine etwas einfache Lösung. Die Messmethoden sind immer wie genauer geworden und man findet heute immer etwas im Wasser." Stoffe wie Chlorothalonil im Trinkwasser haben seit dem Start der Messungen im 2017 über die letzten Jahre zugenommen. Vor 2017 existieren keine Messdaten beim Bundesamt für Umwelt. "Es gibt aber auch Stoffe wie Atrazin, die seit dem Verbot 2007 deutlich abgenommen haben und mittlerweile fast ganz verschwunden sind."

"Wir können in der Schweiz den Wasserhahn aufdrehen und jederzeit unbedenklich Wasser geniessen und trinken. Wo kann man das sonst? Ich habe Mühe damit, wenn die Befürworter der Initiative vor allem gegen die Landwirtschaft schiessen, wenn man sieht, was sonst zum Beispiel im Rhein den Bach runter fliesst." Hansjürg Steffen betont die Wichtigkeit der ökologischen und biologischen Landwirtschaft. "Ich gebe mir Mühe, nach bestem Wissen und Gewissen meinen Hof zu bewirtschaften. Dies nach den hohen ökologischen Standarts, welche in der Schweiz gelten. Ich habe mir auch schon überlegt, auf Bio umzustellen. Die Warteliste bei der Bio-Milch haben mich bisher davon abgehalten. Es ist mir aber ein Anliegen, dass auch die Bio-Bauern ihren Platz haben. Es muss doch möglich sein, dass beide existieren können. Neben- und miteinander."

Gerhard Bühler aus Thunstetten ist Landwirt auf einem 8 Hektar grossen Betrieb und betreibt ausschliesslich biologischen Gemüsebau. "Für mich ändert sich bei einer Annahme der Initiativen nichts. Ich verzichte seit 40 Jahren auf synthetische Pestizide und fahre gut damit." Da er keine Mittel einsetzt, weiss er auch nicht, was er brauchen könnte und was es alles gäbe. "Ich muss mir von Anfang an Gedanken über Alternativen machen. Manchmal ist dies ein langer Weg und auch schmerzhaft. Gerade wenn wir es mit einem Schädling zu tun haben, der eine ganze Ernte vernichten könnte."

Für ihn ist klar, warum diese Initiativen ins Leben gerufen worden sind: "Ich höre seit meiner Ausbildung dieselbe Leier. Die aktuellen synthetischen Pflanzenschutzmittel sind nicht mehr zu vergleichen mit den Mitteln von früher. Bis heute ist aber das Rückstandsproblem dieser Mittel im Grundwasser nicht gelöst. Es hat sich nichts geändert." Es sei wie im Eishockey. Wer die Tore nicht macht, erhält sie. Sprich: Wer die Initiative nicht ergreift, erhält sie. "Es machen dann Leute Vorschläge, mit denen man nicht zufrieden ist, wenn man die Initiative nicht selbst ergreift", so Bühler.

Es ist ihm ein Anliegen, möglichst viele Landwirte vom Biolandbau zu überzeugen. "Für viele ist es nur noch ein kleiner Schritt. Die sollen doch den Mut haben und umstellen und da den Start nicht mit den schwierigsten Kulturen wie Zuckerrüben oder Kartoffeln wagen, sondern versuchen, sachte umzusteigen." Auch da erwartet Bühler ein Bekenntnis des Verbandes. Der Verband der Gemüseproduzenten habe sich aktuell ein Ziel gesetzt, bis 2030 nur noch 20 Prozent der Treibhäuser mit fossiler Energie zu beheizen. "Genau ein solches Ziel erwarte ich vom Verband auch in Sachen Biolandbau. Bis in 10 Jahren 35 Prozent mehr Bio oder so." Auf den Minderertrag beim biologischen Anbau angesprochen, erwidert Bühler, dann müsse man den Rest importieren. "Natürlich auch hier darauf schauen, nur biologisch produzierte Produkte einzukaufen. Es sollen auch Landwirte im Ausland die Chance haben, biologische Landwirtschaft zu betreiben."

Für Gerhard Bühler stellen sich aber auch ganz grundlegende Fragen. Es ist für den Biolandwirt fraglich, ob man mit weniger Zuckerrüben tatsächlich ein Versorgungsproblem haben würde. "Man müsste doch einmal überdenken, ob es tatsächlich auch soviel Zucker braucht. Zucker ist nicht wie Kartoffeln oder Rüebli ein Produkt des täglichen Bedarfs. Das soll auch etwas kosten. Dann rentiert sich auch ein biologischer Anbau dieser Kultur. Oder man versucht andere Wege zu gehen. Mit Rohrzucker oder so." Es könne nicht sein, dass wir nur wegen billigem, weil hochsubventioniertem Zucker, Rückstände produzieren und Probleme anhäufen und unsere Lebensgrundlage, das Wasser, aufs Spiel setzen.


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